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Immer wenn Oma Kinder kriegt . . . |
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Ein ganz normaler Dienstag beginnt. Ich laufe die Treppe hinunter, weil die Haustürklingel mit Dauerton betätigt wird. Das kann nur Familie sein. Meine jüngste Tochter hat die Hose, die sie nach der Arbeit zum Schneider bringen will, vergessen. Sie rast an mir vorbei die Treppe hinauf und noch schneller mit Hose wieder hinunter. "Tschüss, Mama!", hallt es noch durch den Hausflur, gefolgt von einem lauten Knall. Die Tür ist hinter ihr ins Schloss gefallen.
Das Telefon klingelt. Frau Schmidt fragt, ob die neuen Bilder von ihrem Hund gefallen. Das Handy am Ohr eile ich zum Briefkasten; Absender: "Schmidt". Ich öffne das Kuvert und freue mich über die Anzahl lustiger Fotos. Danny wie er leibt und lebt. Frau Schmidt ist über meine Begeisterung erfreut.
Das zweite Telefon klingelt. Mein Mann will wissen, ob ich seine Brille gefunden habe. Sie liegt angeblich im Waschraum auf der Waschmaschine, die er gestern repariert hat. Schnelle Verabschiedung von Frau Schmidt. "Ich rufe dich gleich zurück", vertröste ich meinen Mann.
Meine ältere Tochter fährt auf den Hof. Klein Sarah, mein vierjähriges Enkelkind, schiebt sich schniefend durch die Tür. "Oma, ich bin krank", verkündete sie wichtig verweisend auf die laufende Nase. Mama ist schwer in Eile und hievt die Wechselwäsche für Sarah - Wer weiß, was alles passiert! - und drei Fläschchen Medizin auf den Flurschrank. "Aber auch wirklich geben", mahnt sie mich noch. Meine Frage "wovon wieviel?" erübrigt sich. Der Rückwärtsgang ihres Autos verrät bereits ihre Abwesenheit, nicht ohne sich noch über eine nicht ganz durchgetretene Kupplung zu beschweren.
Ich rücke meine Brille zurecht. "Da hat die Mama ja alles aufgeschrieben", erkläre ich meinem Enkelkind, welches nur mit einem Ohr hinhört, denn sie hat bereits diverse Utensilien unter meinem Arm entdeckt, die mehr Spannung versprechen als "krank sein". "Kriegst du Babies?", erkundigt sie sich neugierig, die kleine Nase reckend. Ohne weitere Aufforderung eilt sie zielstrebig in Richtung meines Bettes. Die Hündin kennt Sarah, lässt sich von ihr streicheln und süße Babies versprechen.
Das Telefon: "Hast du meine Brille gefunden?", will mein Mann wissen. "Nein, ich hatte noch keine Zeit", wehre ich mich des stillen Vorwurfs und wiederhole meine Aussage in verlängerter Form: "Ich rufe dich zurück, sobald ich sie gefunden habe." Noch während ich eiligen Schrittes in Richtung Waschküche laufe, wird die Haustür in Eroberermanier aufgerissen. "Hi, Mum, hast du Zeit für einen Kaffee?" "Hast du bestanden?", will ich wissen. "Klar doch", strahlt mein Sohnemann und steuert die Kaffeemaschine an. Ich freue mich über die bestandene Flugprüfung mit ihm; zumal meine Prognose eine andere war. Gut, dass Mütter nicht immer Recht haben.
"Oma!", schreit Sarah, "ich glaube, das Baby kommt bald." Manch ein Möchtegernzüchter wäre sicher neidisch auf das bereits kompetente Sachwissen dieser Vierjährigen. Schon oft hat sie mit mir Neuankömmlinge auf die Welt geholt. Stolz darauf, die erste gewesen zu sein, die dieses kleine Hundebaby gestreichelt hat.
Das Telefon klingelt. Während mein Sohn Raoul das Telefon bedient, hechte ich ins Schlafzimmer - nach der Hündin sehen. Raoul steckt die Nase durch die Tür und informiert mich: "War nur so eine Internetfirma, die uns was verkaufen wollte. Ach ja, der Vater noch. Du wüsstest Bescheid - wegen seiner Brille." "Ja, ja, ich weiß", antworte ich leicht genervt und beobachte den Nestbau der Hündin in meinem Oberbett. Ein lautes Ciao hallt durch den Flur und eine zu schnell geschlossene Haustür scheppert.
Ich nehme einen Schluck Kaffee aus der Tasse, die mein Sohn mir noch hingestellt hat. Ach ja, die Brille. Ich renne Richtung Waschraum. Da ertönt die Autohupe unseres Briefträgers. Wir haben abgemacht, dass er hupt. Das höre ich eher als die Haustürklingel, die in dem großen Haus schnell verhallt. Ich mache kehrt und laufe zum Postauto: "Hallöchen, Sie sind aber flott!", lobt mich der Postbote. Jemand, der mich heute Morgen lobt. Ich bedanke mich artig und gehe zurück ins Haus.
Ein Blick auf die Hündin sagt mir, dass ich mit allem, was ich vor der Geburt noch tun will oder muss, mich beeilen sollte. Ein Blick auf die Uhr zeigt nun auch an, dass Sarahs Medizin fällig ist. Ich versuche, mich streng an die Anweisung meiner Tochter zu halten. Aber Sarah ist anderer Meinung: "Oma, das machst du falsch." Sie deutet auf zwei verschiedene Fläschchen. "Das und das kommt immer zusammen auf einen Löffel." Misstrauisch frage ich nach, ob Mama das auch so macht. Sarah bestätigt das. "Gut, dann das und das auf den Löffel zusammen." Sarah ist jetzt mit mir zufrieden und schluckt artig die dunkelbraune Mixtur hinunter. So, jetzt noch nach der Brille sehen.
"Oma, ich habe den Schrottsammler klingeln gehört!" Hier auf dem Land ziehen die Mitglieder einer auch in der Stadt bekannten Zunft von Hof zu Hof und sammeln Alteisen. Während ich das übliche Sprüchlein "Wir haben heute nichts" von mir gebe, weiß Sarah wieder mal besser Bescheid. "Opa hat gesagt, die Schrottmänner sollen das kaputte Fahrrad hinter der Scheune mitnehmen." Gut, ich gebe Anweisung, das kaputte Fahrrad mitzunehmen.
Da klingelt das Telefon. Ich laufe schnell durch die Waschküche den langen Flur entlang zum Büro. "Ja?", töne ich leicht aus der Puste ins Telefon - mein Ehemann. "Inge, ich wollte nur fragen . . ." - "Kalle, ich rufe dich sofort zurück, ja? Bitte, ich muss jetzt erst nach der Hündin sehen!" Mein Mann legt murrend auf. Die Hündin kommt mir unruhig entgegen. Sie will, dass ich jetzt bei ihr bleibe. Ich fühle sie ab und trinke meinen inzwischen kalt gewordenen Kaffee aus.
"Mama, Mama", ertönt es durchs Haus. "Mirko, hast du schon Feierabend?", frage ich erstaunt. "Ja, ich hatte heute doch nur Schule. Was gibt es denn heute zu es-sen?" Während ich meine Hündin beruhige, kräht Sarah dazwischen: "Pizza!" in einem etwas verwunderten Tonfall - ob der Unfähigkeit ihres Onkels, die Situation richtig zu deuten. "Weißt du doch!", belehrt sie ihren leicht verdutzten Onkel Mirko. "Pizza gibt es immer, wenn Oma Babies kriegt." |
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Hundezüchten - das große Geldverdienen |
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Es wurde Frühjahr, als ich mit meinen ersten Vierbeinern "schwanger" ging. Im März wurden zwei Rüden, zwei Hündinnen geboren. Mein Engelchen - die Mutter - war wohlauf und ich überglücklich. Ich spürte etwas von der Glückseligkeit, die ich bei der Ankunft meiner zweibeinigen Nachkommenschaft empfunden hatte und war so aufgeregt, wie es nur junge Omas sind; in der Sorge um die erste und zweite Generation nach ihnen.
Meine Enkelkinder wuchsen und gediehen auf Wärmeunterlagen, Babydecken und Kuschelkissen heran. Unser Tierarzt rollte mit den Augen und meinte, das sei nicht artgerecht. Ich forschte nach, was nicht artgerecht sei. "Na ja", meinte er, "weniger Spitzenkissen und Plüsch täten es auch." Ich nahm die Kissen und die Decken heraus und legte sie neben das Hundebettchen. Mein Engelchen sah meinem Tun erstaunt zu. Sie fand, ich sei eine dumme Oma. Jedenfalls nahm sie nacheinander alle vier Babies und trug sie auf den Berg Decken und Kissen. Dann legte sie sich wieder dazu.
Ich beschloss, die Kissen und Decken wieder dahin zu tragen, wo sie vorher waren und meine Hundebabys nicht artgerecht aufzuziehen. Mein Engelchen war mit mei-ner begleitenden Aufzucht zufrieden, wie mir schien. Jedenfalls waren im Juni alle vier Babys soweit gediehen, dass sie mit mir in den Garten gehen konnten und sich auf der warmen Wiese kullerten und statt mit Babyspielzeug sich mit Stöckchen, Blättern und Grashalmen amüsierten. Sie spielten in der Sonne, schliefen im Schatten und wenn die Abendkühle kam, lagen sie zufrieden in ihren Plüschbettchen. Die Welt war für uns alle in Ordnung.
Wäre da nicht mein Mann gewesen, der da eines Tages frug, ob die Babys, da sie ja nun gut vier Monate alt seien, nicht langsam verkauft werden sollten. Meine Empö-rung war groß. So kleine Wuschels fremden Leuten geben? - so ein Rabenvater. Ob meiner Empörung nahm er sein Ansinnen sofort zurück. "Ich habe ja nur gedacht", meinte er entschuldigend. "Na ja", sagte ich, "wir wollen doch nicht nachtragend sein", und gab mich der täglichen Babypflege hin. Schauen, ob die Popos sauber sind, einmal durchbürsten und ab in die Bettchen.
Die Tage vergingen und meine Babys hatten im Garten mehr fliegende Blätter zum Spielen. Auch wurden die Tage kürzer und die Abende, die wir gemeinsam auf dem Teppich lagen und spielten, länger. Herbststürme machten endgültig klar: der Som-mer war vorbei. Es wurde kalt und schubbelig und bei warmer Fußbodenheizung tollten meine kleinen, jetzt schon groß gewordenen Babys durch das Wohnzimmer. Die Treppe ins Untergeschoss war sorgsam zugestellt, damit auch kein kleines Wollknäuel herunterpurzelte. Recht unternehmungslustig waren sie geworden und auch unser Tierarzt musste zugeben, dass sie bei meiner nicht artgerechten Aufzucht gut gediehen waren.
Wieder war es mein Mann, der da wie arglos mit vorzählt, dass unsere kleinen Ra-bauken schon ein halbes Jahr alt seien und nun doch wirklich gut verkauft werden können. Aber mein Mann hatte natürlich nicht bedacht, dass jetzt der Winter begann. Und konnten wir denn wissen, ob fremde Leute auf unsere Kleinen gut aufpassen und sie nicht kalt werden lassen? Als es weihnachtete, kaufte mein Mann neue Decken für unsere vier Großen. Sie sollten es doch kuschelig und gemütlich im kalten Winter haben. Und zu Weihnachten bekamen sie neues Spielzeug und mein Mann und ich waren der Meinung: Nur andere Züchter verkaufen ihre Babys. |
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Malteserbabys - Marktlücke ? |
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Ich habe eine Anzeige geschaltet, in der ich unsere süßen Malteserbabys anbiete. Zwischen Futterverteilen und Wäscheaufhängen klingelt zum 138. Mal das Telefon. Ich bemühe mich, freundlich zu klingen wie bei den 137 Malen vorher, als ich mich mit meinem Hausnamen melde. Eine etwas unsicher klingende Damen am anderen Ende der Leitung fragt nochmals nach meinem Namen. Ich wiederhole ihn und setze vorsichtshalber meinen Vornamen noch dazu. Die Dame führt leicht stockend das Gespräch fort, indem sie etwas umständlich den Sachverhalt aufgreift: "Ja - Sie bieten Malteserbabys in der Zeitung an" und wartet auf meine Reaktion.
Ich bestätige noch einmal, dass wir ganz süße Babys haben. Aufgeregt fragt die Dame, wie das denn bei mir so vonstatten geht. Leicht Irritation meinerseits. Ich erläutere kurz: "Ich züchte seit vielen Jahren Malteserbabys und verkaufe sie dann."
Die Dame am anderen Ende der Leitung schluckt laut und vernehmlich und stößt einen Unterton der Entrüstung aus: "Züchten, zügen - sagen Sie?'" "Ja, züchten", wiederhole ich ob dieser mir doch fremden Befragung. Die Frau setzt abermals an: "Wie kann ich mir das denn so vorstellen? Kommen die Babys aus verschiedenen Familien?"
Fee, Marie und Yvönnchen haben das Futter in der Schüssel in meinen Händen gerochen. Sie versuchen nach Eichhörnchenmanier an meinen Hosenbeinen hochzuhangeln. Ich setze die Schüssel auf den Boden und während ich mit einer Hand das Telefon bediene, versuche ich mit der anderen Hand drei Schälchen zu füllen. "Nein", antworte ich artig auf die Frage, "die Welpen haben einen Vater und eine Mama." "Drillinge?", posaunt die Dame total geschockt ins Telefon. "Ja, oder so", antworte ich langsam genervt. "Und . . . aber . . . oh Gott", stammelt die Dame.
Und während Yvönnchen einen Löffel warmes Hundefutter auf die Nase bekommt und Fee und Marie der Meinung sind, das Futter in Schälchen zwei besser schmeckt als das in Nummer eins, leuchtet mir und meiner Gesprächspartnerin ein Licht. "Welpen, wieso Welpen? Sie schreiben Babys", stößt sie fast anklagend hervor. "Ja", sage ich, "Welpen" - Babys der Hunderasse Malteser." In einem Kauderwelsch an Be- und Entschuldigungen habe ich das Gefühl, die Dame möchte nur noch eines - aus der Leitung gehen.
Fee und Marie wenden sich nun voller Eintracht nun Schälchen Nummer eins zu, während Yvönnchen nun erst einmal nachsieht, ob die beiden anderen ein besser schmeckendes Futter haben. Ich lasse den Suppenlöffel mit einem Plumps ins Hundefutter fallen und während ich meine Brille von Hundefutterspritzern reinige, ziehe ich in Erwägung, in meinen Anzeigen zukünftig nur noch Welpen - "Malteserwelpen" - anzubieten. |
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Manche Hunde sind lila |
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Als unsere zweibeinige Nachzucht sich im jungen Kindergartenalter befand, stellte sich ihnen irgendwann folgendes Problem: Sie kannten keine Schimpfwörter. Fern-gehalten von eben diesen, wohlbehütet sich einer liebevollen Sprache bedienend, hatten mein Mann und ich nicht bedacht, dass auch unsere Kinder bei Unstimmigkeiten untereinander einen verbalen Ausdruck suchten, der, egal wie er klang und von welchem Inhalt, von Alleineingeweihten als "negativ" empfunden wurde.
Ich weiß heute nicht mehr, wer der "Erfinder" unseres Schimpfwortes war. Nur so viel: irgendwann zwischen Morgengebet und Abendlied entstand das Schimpfwort "lila". Fortan wunderte ich mich, wer und was in unserer Familie als "lila" war.
Viele Jahre später - unsere Kinder wollen sich nicht mehr behüten und erziehen lassen - widmete ich mich einer vierbeinigen Kreatur, dem Hund. Hier konnte ich wieder frei schaffen und walten. Das Angewiesensein des Hundes auf den Menschen versetzte mich auf unbekannte Zeit in die beneidenswerte Situation, geliebt und gebraucht zu werden. Ich genoss und genieße es immer noch, nicht verstehend, dass es Menschen gibt, die leichtfertig mit dem dargestellten Sachverhalt umgehen.
Ich lernte in dieser Zeit die Liebe der Menschen zu sogenannten "Schlagwörtern" kennen, wo man mit einem Schlagwort einen ganzen Sachverhalt darlegen kann. Es muss sich so irgendwann mit dem Begriff "Überzüchtung" verhalten haben wie einmal mit dem Begriff "lila". Der Erfinder dieses inzwischen landläufig gängigen Begriffes ist meines Wissens nach unbekannt. Als Hundezüchter habe ich mit Menschen verschiedener Bildungskreise zu tun.
Umso erstaunlicher ist es, dass ein Schlagwort, gebildete aus der Fantasie eines Schlagwort-Produzenten, sich derartiger Beliebtheit erfreut (und zum Begriff "kranke Hunde" wurde; "vom Züchter krank gezüchtete Hunde", versteht sich).
So wundere ich mich heute nicht mehr über Frau Blümchen, die mir erzählt, dass ihr neu erworbener Dackel gestorben ist, weil er überzüchtet war; der Tierarzt war allerdings der Meinung, der Welpe sei total verwurmt gewesen. Aber vielleicht hatte er ja auch nur keine Kenntnis von der Existenz des Wortes "Überzüchtung".
Herr Professor Neunmalschlau erzählte mir vom Leidensweg seines alten Hundes, der sich ein Lebtag mit einer "Otitis externa" herumgequält hatte, bis er schließlich von ihm gegangen war. "Ja, ja", schloss er seine Geschichte, "die Folgen einer Überzüchtung."
Die Folgen meiner durchwachten Nacht lagen klarer auf der Hand. Ich war müde und meine Toleranzgrenze allen "Neunmalklugen" gegenüber war nicht besonders hoch, als mit einem Seufzer quittierte: "Ja, ja, ich weiß, manche Hunde sind lila." |
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Die große und die kleine Bremse |
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Persönlicher Werdegang: Mutter, Züchter, Oma. Erst alles fein nacheinander, dann gebietsüberschreitend alles zusammen. Sarah, mein Enkelchen, und ich stapfen die knarrende Holztreppe hoch. Es ist heiß. Das Mittagessen liegt hinter uns und beide sind wir müde. Ich bekunde es und Sarah pflichtet mir bei mit dem Hinweis, dass wir aber nur eine halbe Stunde schlafen wollen, bei. Aber erst müssen wir noch das Baby füttern, weiß sie. Früh hat sie gelernt, kleine Lebewesen, ob Hund, Katze oder Vögel, kommen immer zuerst dran; haben vor allen eigenen Interessen absolute Priorität.
Sarah macht es sich auf Opas Seite im großen Ehebett bequem. Es ist heiß und sie will nur ein ganz dünnes Laken. Das mit den Sternchen drauf. Die Maltesermama mit dem Baby kommt zwischen mir und Sarah zu liegen. Das Baby wuselt freudig zwischen Mama, Sarah und mir herum. "Oma", sagt Sarah, "gut, dass du an der einen Seite und ich an der anderen Seite liege, so kann das Baby nicht herunterfallen." Ich bestätige. "Wir sind Bremsen", fällt es ihr plötzlich ein. "Du und ich. Du bist eine große und ich eine kleine Bremse." Ich räkele mich und merke, wie mich die Mittagsmüdigkeit übermannt. Sarah sieht mich halb aufgerichtet genau an. "Gute Nacht, große Bremse", sagt sie. "Gute Nacht, kleine Bremse", antworte ich.
Das Hundebaby hat sich für eine Zitze entschieden und saugt kräftig und in gleichmäßigen Zügen. Es ist sehr still. Nicht einmal die Vögel hört man draußen in der Mittagshitze. Am Fenster surrt eine Fliege, die vergeblich versucht, durchs Fliegengitter ins Schlafzimmer zu kommen. Sarah streichelt vorsichtig erst die Hundemama, dann das Baby. Sie weiß mit ihren vier Jahren bereits um die absolute Notwendigkeit dieser Reihenfolge. Ich habe mich auf die Seite gerollt und die Knie hochgezogen. Sarah reckt sich, nimmt mit den Augen Maß und findet: "Oma, jetzt bist du kurz geworden, jetzt bist du eine kleine Bremse und ich die große." "In Ordnung", murmele ich. Sich noch ein wenig mehr aufrichtend verfolgt sie das Sinken meiner Augenlider, als handele es sich um den Sonnenuntergang. "Gute Nacht, kleine Bremse", versucht sie mein Einschlafen noch ein bisschen hinauszuzögern. Ich lasse die Augen geschlossen. "Gute Nacht, große Bremse."
Stille - ganz vorsichtig hebe ich ein Augenlid. "Oma, du lünkerst", ertönt auch schon triumphierend ihre Stimme. Ich muss lachen. Der Welpe wechseld eifrig schmatzend die Zitze. Sarah zieht ihre Sternchendecke ein bisschen höher und wuselt sich tief in Opas dickes Kopfkissen. Ich reiche zu ihr hinüber und streiche ihre Haare aus dem Gesichtchen. "Nacht, große Bremse", flüstere ich. "Nacht, kleine Bremse", murmelte sie müde und schließt die Augen. Die Fliege am Fliegengitter hat noch nicht aufgegeben.. Der Welpe ist satt mit leicht geöffnetem Mäulchen von der Zitze abgerutscht. Sarah atmet tief und gleichmäßig - und während ich langsam wegdöse, überlege ich, wie lange es eigentlich her ist, dass ich mit meinen Kindern Mittagsschläfchen gemacht habe - nur ein halbes Stündchen. |
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